Die Münsterbauhütte existiert seit über 800 Jahren – seit Baubeginn des Freiburger Münsters, der Freiburger Münsterbauverein ist jedoch eine viel jüngere Einrichtung: er besteht seit 1890 und feierte im Jahr 2020 sein 130. Jubiläum.
Dr. Otto Winterer
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts trat der bedrohliche Bauzustand des Freiburger Münsters deutlich in Erscheinung, eine Gutachterkommission stellte die umfangreichen Schäden 1889 offiziell fest. Die politischen Umbrüche des 19. Jahrhunderts ergaben ein Zuständigkeitsvakuum rund um den Erhalt des Bauwerks: Die Verantwortung der Stadt erlosch 1805 als die Stadt Freiburg an Baden fiel. Der neue Staat, das Großherzogtum Baden, trat jedoch nicht umfänglich in die eigentliche Baupflicht für das Freiburger Münster ein, da er auch die Baulast für die ehemalige Kathedralkirche, das Konstanzer Münster zu tragen hatte (das Erzbistum Freiburg wurde erst 1821 gegründet).
Da der Eigentümer des Freiburger Münsters – die Münsterfabrik, eine mittelalterliche Stiftung, die seit Gründung des Erzbistums vom Stiftungsrat verwaltet wurde – die dringend notwendigen Erhaltungsarbeiten nicht finanzieren konnte, rief der damalige Oberbürgermeister Dr. Otto Winterer in einem Appell die Bürger dazu auf, mitzuhelfen und durch eine Vereinsgründung zur Rettung des Münsters beizutragen.
Sicherungsarbeiten um 1915
Dem Verein schlossen sich im ersten halben Jahr ca. 4000 Bürger/-innen an. Durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Vermächtnisse, vor allem aber durch das Ausspielen von Münsterbaulotterien konnten nach einigen Jahren die Restaurierungsarbeiten aus den Zinserträgen finanziert sowie auch die baugeschichtliche Forschung bestritten werden. Der Verein legte eine bedeutende Sammlung von ca. 3000 Gipsabgüssen von Architekturteilen und Skulpturen des Freiburger Münsters an.
Der Erste Weltkrieg sowie die anschließende Weltwirtschaftskrise führten zum wirtschaftlichen Niedergang des Freiburger Münsterbauvereins. Heute ist der Verein bei seiner Aufgabe, das äußere Steinwerk des Freiburger Münsters zu erhalten, auf bürgerschaftliches Engagement und auf öffentliche Mittel angewiesen. Zuwendungsgeber sind das Erzbistum Freiburg, das Land Baden-Württemberg sowie die Stadt Freiburg. Darüber hinaus erhält der Verein Gelder von Stiftungen. Rund 1,5 Millionen Euro muss der Münsterbauverein jedoch selber aufbringen, um das Freiburger Münster zu sichern und zu erhalten – durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Vermächtnisse.