April 2021
Objekt des Monats April 2021
Entwurf für den erzbischöflichen Thron
Franz Sales Glänz (Glaenz)
1834
Bleistift und Tusche auf Papier
Inv.Nr. Gr-00207
In zwei hohe, spitzbogige Arkaden, welche von Bündelpfeilern getrennt werden, ist links über einem Stufenpodest eine dreiteilige Baldachinarchitektur mit jeweiligem Wimperg und Kreuzblumen eingezeichnet (Abb. 1). Die Stützen der zentralen Nische und der äußeren Begrenzungen werden von Fialen bekrönt. Hinterfangen ist die Anlage mit einem dreieckigen Giebel, den in der Mitte wie zu den Seiten krabbenbesetzte Fialen mit Kreuzblumen einfassen. Unten stehen drei Maßwerkhocker auf den Stufen.
Die rechte Arkade wird von einer dreiteiligen Maßwerkfläche geschlossen. Je zwei, wiederum zweigeteilte, Lanzettfelder mit Blendmaßwerk und unterschiedlichem Couronnement füllen die Felder. Eine Maßwerkbrüstung, unterbrochen von den aufsteigenden Fialen, schließt nach oben ab.
Unten rechts findet sich auf dem 553 x 712 mm großen Blatt eine Signatur mit Datierung „Entworfen und gezeichnet von Franz Glänz im Jahr 1834.“
Mit der Gründung des Erzbistums Freiburg und der Erhebung des Münsters zur Kathedrale 1827 wird ein erzbischöflicher Thron notwendig. Dafür beauftragt das Domkapitel 1834 einen ausgewiesenen neogotischen Künstler – Franz Sales Glänz (Glaenz). Glänz, der mit seinem Vater Joseph Dominik (1778-1841) wesentliche neogotische Arbeiten für das Münster ausführt, liefert über mehrere Jahre insgesamt drei Entwürfe: Der erste, nicht umgesetzte, liegt hier mit der Projektion für die linke Arkade vor uns. Auch ein zweiter Plan von 1844 wird nicht realisiert. Erst der dritte Entwurf, den Glänz kurz darauf vorlegte, kommt zwischen 1845 und 1848 zur Ausführung (Abb. 2). Überbordende gestalterische Mittel der Neogotik inklusive eines ausgefeilten Skulpturenprogramms treten nun auf und unterscheiden sich in vielem vom zehn Jahre früher dargebrachten Plan. Aber durch den Unbill des Zweiten Weltkriegs und eine veränderte Einstellung zur Neogotik in den Nachkriegsjahren ist von der Arbeit des Franz Sales Glänz im Freiburger Münster nicht mehr viel erhalten geblieben.
Anders verhält es sich mit seiner Idee für die rechte Arkade: Wenn auch etwas verändert, so ist diese Zeichnung die Vorlage für die neuen Schranken im seitlichen Chorpolygon.




