Objekt des Monats Dezember 2020

„Europastein“
2019
Verschiedene Sand- und Kalksteine, Speck- und Tuffstein, Granit, glasierter Backstein, Edelstahl
Gemeinsames Eigentum der Bauhütten in Aachen, Bamberg, Basel, Dresden, Freiburg, Köln, Linz, Lübeck, Mainz, Passau, Regensburg, Schwäbisch Gmünd, Soest, Straßburg, Trondheim, Ulm, Wien, Xanten
 
Abb. 1: "Europastein" im Museum der Münsterbauhütte
Etwa 1,60 Meter misst die aus 18 Einzelteilen bestehende sechseckige Fiale, deren Kanten mit Krabben oder Kriechblumen geschmückt sind und die in einer Kreuzblume ihren oberen Abschluss findet (Abb. 1). Deutlich heben sich die unterschiedlichen Steinmaterialien und die verschiedenen Formen der Krabben voneinander ab. Von der Romanik bis in die Neugotik reichen ihre Vorbilder. Zusammengehalten wird dieses Ensemble durch halbkugelige Steckverbindungen in den Lagerfugen, im Oberlager als Zapfen, im Unterlager als Zapfenloch (Abb. 2). Zudem führt ein Gewindestab durch die Fiale und dient als Dübel für die Kreuzblume.
Unmissverständlich ist: Dieses Ziertürmchen kann nicht vom Freiburger Münster oder einer anderen Kirche stammen. Es entstand 2019 durch Steinmetzinnen und Steinmetzen aus 18 europäischen Bauhütten aus fünf Ländern und ist Beigabe zur gemeinsamen Bewerbung auf Einschreibung des Bauhüttenwesens in das internationale Register „Guter Praxisbeispiele des Immateriellen Kulturerbes" bei der UNESCO. Jeder Stein weist typische Formen und Materialien des „hinter“ den Bauhütten stehenden Bauwerks auf. So ist das Freiburger Stück aus Allmendsberger Sandstein und kopiert Krabben vom Münster in Formen aus der Zeit um 1300 (Langhaus) und um 1500 (spätgotischer Chor).
 
Der „Europastein“, momentan im Museum der Freiburger Münsterbauhütte ausgestellt, symbolisiert eindrücklich den gemeinsamen Geist der beteiligten Bauhütten.
 
Abb. 2: Werkstücke der unterschiedlichen Bauhütten
 
Wie die einzelnen Stücke zu einer Fiale zusammengesetzt werden, können Sie hier verfolgen.
Mehr Infos zum europäischen Bauhüttenwesen finden Sie hier hier.