Objekt des Monats Januar 2021
Abhängling
1795
Sandstein
Inv.-Nr.: St-00439
Nur zehn Zentimeter im Durchmesser ist diese filigrane Kugel groß (Abb. 1). Ihre Oberfläche setzt sich aus mehreren aneinandergrenzenden Kreisen zusammen, im Inneren ist sie bis auf einen dünnen Steg in der Mitte hohl. Aufgrund dieser Komplexität ist die Herstellung eines solchen Stücks handwerklich besonders anspruchsvoll. Damit es während der Bearbeitung nicht zerbricht oder springt, ist ein außerordentliches Feingefühl erforderlich.
Der Abhängling gehört zu der 1795 unter Joseph und Michael Schwanter veränderten neugotischen Chorschranke, die den Hochchor vom Chorumgang trennt. Dort hängen die Kugeln frei, nur an einem Stift befestigt, unter einem Ensemble aus einer Fiale und mehreren Kreuzblumen zwischen den Pfeilern und Maßwerkbrüstungen (Abb. 2 und 3). Heute sind im Hochchor jedoch nur noch elf von mindestens sechzehn dieser Kugeln zu sehen, abgenommene Stücke wurden nicht ersetzt.
Die Formen lehnen sich an die Spätgotik an, wie sie auch an den Strebepfeilern am Chor zu finden ist. Typisch sind hier kompliziert ineinander geschlungene, dynamische und stark durchbrochene Formen.
Trotzdem sind die Kugeln des Hochchorinneren einzigartig. Ähnliche Abhänglinge am Außenbau sind weniger fein und nicht komplett rund, also eher oval. Grund dafür kann sein, dass die Kugel im Inneren – im Gegensatz zu den im Außenbereich angebrachten – vor Wettereinflüssen geschützt ist.





