Juni 2021

 

Objekt des Monats Juni 2021

Wasserspeier Hockender Mann mit Zipfelmütze
Um 1260/70
Sandstein
Inv.-Nr.: St-00128
 
Abb. 1: Der originale Wasserspeier nach der Abnahme vom Münster, 1915.
Der kleine Wasserspeier (Abb. 1) stammt vom Lammportal (Abb. 3) am südlichen Seitenschiff, wo er ganz links zwischen der Wand und den Wimpergen über dem Portal angebracht war. Er ist 59cm breit und etwa 40cm hoch. Dargestellt ist eine männliche Figur mit angezogenen Knien. Der linke Arm verläuft am Rücken entlang nach hinten, wo die Hand um einen Gegenstand geschlossen ist. Es könnte sich um einen Teil der Pflanze handeln, deren Blätter unter der Hand erkennbar sind. Der rechte Arm dagegen ist angewinkelt, die Hand fehlt. Gekleidet ist die Figur in eine lange Tunika und Stiefel, an denen kleine Riemen über den Schaft verlaufen. Der Kopf ist abgebrochen und im Original verloren. Stattdessen lässt sich an der Bruchkannte sehr gut die Rinne sehen, durch die das Wasser abgeleitet wurde.
 
Abb. 2: Die 1915 verbaute Kopie mit dem ergänzten Kopf.
Wie der Kopf oder die rechte Hand der Figur ursprünglich ausgesehen haben, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Denn beides fehlt bereits auf den ältesten Aufnahmen in unserem Fotoarchiv, die etwa zur Zeit der Gründung des Münsterbauvereins 1890 entstanden. Als der Wasserspeier 1915 zum ersten Mal ersetzt wurde, erhielt die Kopie (Abb. 2) einen neuen Kopf mit Wellenlocken und Zipfelmütze, der auf die rechte Hand aufgestützt ist. Das Wasser wird durch den weit aufgerissenen Mund abgeleitet. Mit dieser
Abb. 3: Das Lammportal am südlichen Seitenschiff.
Ergänzung entsteht ein neuer Eindruck der Figur, der auch neue Interpretationen ermöglicht, die nicht dem Original entsprechen müssen. Der Prozess der Gestaltung des neuen Kopfes ist nicht dokumentiert. Daher wissen wir auch nicht, warum man sich entschieden hat, ihn genau so zu modellieren. Der Wasserspeier, der heute amMünster zu sehen ist, stammt aus dem Jahr 2001 und übernimmt die Form, wie sie 1915 geschaffen wurde.