Objekt des Monats März 2021

Schlag- und Spitzeisen
Um 1300
Eisen
Inv.-Nr. So-00012 und So-00013
 
Abb. 1 Steinmetz Wilhelm Dehn beim Arbeiten mit einem hölzernen Knüpfel und einem Spitzeisen, Freiburger Münsterbauhütte um 1950
Schlag- und Spitzeisen gehören zu den Schlagwerkzeugen: Die SteinmetzInnen führen das Eisen in einer Hand und treiben es mit der anderen durch einen Knüpfel (aus Holz) oder Fäustel (aus Eisen) an (Abb. 1).
 
Das flach auslaufende Schlageisen mit einer Länge von 25,5 cm und einer Schneidenbreite von 3 cm wechselt seine viereckige Form, mit leicht abgerundeten Kanten, in eine etwas breitere, dünnere (Abb. 2). Üblicherweise wird diese Art von Eisen zur Ausarbeitung des Randschlags – der Kanten eines Steinblocks – und zur Glättung von gespitzten Flächen eingesetzt und mit einem Knüpfel angetrieben. Der stark abgenutzte Kopf lässt im Gegensatz dazu aber auf eine Benutzung durch einen schlagkräftigen eisernen Fäustel schließen.
Auch der Kopf des viereckigen und 29,3 cm langen Spitzeisens deutet auf Antriebspuren durch einen Fäustel (Abb. 3). Spitzeisen zählen zu den wichtigsten Werkzeugen der SteinmetzInnen. Mit ihnen wird vor allem Steinmasse weggenommen, sie können aber auch zu Bildhauerarbeiten verwandt werden.
Ob die eingeschlagenen Kreuze als Eigentumskennzeichnung der Freiburger Münsterbauhütte gedacht waren, ist nicht eindeutig.
 
Die Eisen wurden im 20. Jahrhundert als Dübel-Ersatz im Hauptturm – in Bauteilen aus der Zeit um 1300 – gefunden. Nur dank dieser Zweitverwendung befinden sie sich heute in der Sammlung des Münsterbauvereins. Denn Werkzeuge sind Alltags- und Gebrauchsgegenstände, die dem Verschleiß unterliegen und daher haben sich mittelalterliche Stücke nur extrem selten erhalten. Die Objekte sind als Leihgaben in den Ausstellungen „Baustelle Gotik“ im Freiburger Augustinermuseum und „Gotik – Der Paderborner Dom und die Baukultur des 13. Jahrhunderts in Europa“ in Paderborn ausgestellt gewesen.