April 2022

 

Objekt des Monats April 2022

Kopf Christi von der Innenfassade des Heiligen Grabes
Um 1912
Gipsabguss, geschlämmt
Inv.-Nr.: Gi4-00034
 
Abb. 1 Kopf Christi von der Innenfassade des Heiligen Grabes, geschlämmter Gipsabguss, um 1912
Der knapp 26 cm hohe, hinten offene Abguss zeigt den Kopf eines bärtigen Mannes, mittleren Alters mit gewellten, mehr als kinnlangen Haaren, dessen Mund leicht geöffnet ist (Abb. 1). Die angeschnittene Schulterpartie deutet auf den Rundausschnitt eines Gewandes mit darüber liegendem Mantel.
 
Abb. 2 Die Heilig Grab-Kapelle im südlichen Seitenschiff des Freiburger Münsters; Fotograf: Carl Günther, 1892
Der steinerne Kopf, d.h. die Vorlage für den Abguss, gehört zu einer eher wenig betrachteten Christus-Figur im Inneren des Münsters: Auf der Innenfassade des Heiligen Grabes steht der Auferstandene zwischen zwei Frauen und Weihrauchfässer schwingenden Engeln (Abb. 2). Darunter, in der Nische des Grabes werden gleichzeitig verschiedene Momente der Ostergeschichte wiedergegeben: der Leichnam, „bewacht“ von schlafenden Soldaten am Karsamstag, die zum leeren Grab eilenden Frauen am Ostermorgen – auch hier eingerahmt von Engeln. 
 
Abb. 3 Toter Christus im Grab, Gipsabguss in Büstenform, um 1912
In der Abguss-Sammlung des Freiburger Münsterbauvereins stellt das Heilige Grab eine Besonderheit dar, denn es ist der größte zusammenhängende Komplex von Gipsabgüssen. Goss der Freiburger Bildhauer Ludwig Kubanek im Auftrag des Münsterbauvereins zunächst die beiden Platten des Sarkophags und die Figuren der Grabnische ab, so sind Details der Innenfassade, wie z.B. Blattmasken, wohl zur Vervollständigung des Ensembles entstanden. Hierzu muss dann wahrscheinlich der vorgestellte Kopf gezählt werden.
Künstlerisch umgeändert wurde der liegende Leichnam zu einem Abguss in Büstenform (Abb. 3). Hier zeigt sich die Starre eines nach den Qualen der Kreuzigung Verstorbenen im Vergleich zu den glatten, ruhigen Zügen des Auferstandenen.