Das bzw. die Objekte des Monats August 2022 fallen aus dem Rahmen, denn beide sind weder Steinstück noch ein Gipsabguss, kein Plan oder Zeichnung vom Münster und sie sind auch nicht in der Bauhütte oder im Münsterbauverein hergestellt worden, sondern erst vor wenigen Tagen – im Juli 2022 – in zwei Fugen des Chorstrebepfeilers 14/15 Süd als Abstandshalter gefunden worden.
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ie beiden Marken aus Metall, die kleinere rund und mit einem Durchmesser von 1,8 cm, die größere knapp 2,1cm im Durchmesser und achteckig, sind jeweils nur auf der Vorderseite gekennzeichnet, die Rückseite ist leer. Durch ihren langen Verbleib in den Fugen ist das Material korrodiert und darüber hinaus eingedrückt. Trotzdem sind die Kennzeichnung lesbar: „MITTELSTANDSKÜCHE – FREIBURG i. Brg.“ und „ZÄHRINGERTOR – FREIBURG i. Br.“ – es handelt sich demnach um Wertmarken und/oder Notgeld, für eine der Freiburger Mittelstandsküchen und die Gaststätte Zähringertor.
Der eigentliche Wert, d.h. die Anzahl der Essen oder Getränke, hier wahrscheinlich Bier, fehlt zwar, doch kann von einem 1:1 Verhältnis ausgegangen werden. Nach dem Ersten Weltkrieg und den folgenden wirtschaftlichen Krisen sind wie in anderen Städten auch in Freiburg sogenannte Mittelstandsküchen für bedürftige Bürger gegründet worden, die neben den „Armenküchen“ existierten.
Ob die Marken zur Zeit der Arbeiten am Strebepfeiler in den 1930-er Jahren ihren Wert verloren hatten oder als ganz bewusstes Zeichen eingebaut wurden, ist bisher offen.