Juli 2022

 

Objekt des Monats Juli 2022

Modell für einen Wasserspeier, Gipsabguss
Wasserspeier Männliche Figur mit Zipfelmütze
Ende 19. Jh.
Gipsabguss, geschlämmt; Verstärkungen aus Holz und Metall
Inv.-Nr.: Gi1-00490

Der etwa 56 cm x 34 cm große Gipsabguss zeigt den Kopf eines Konsol-Wasserspeiers: aufgerissene Augen mit spiralförmigen Pupillen, weit geöffnete Lippen für den Ablauf des Regenwassers, die Stirn in tiefe Falten gelegt und eine Gugel, die kapuzenartig das Haupt umfängt (Abb. 1). Standort des steinernen Wasserspeiers am Münster ist die Südwestecke unterhalb der Sterngalerie des Hauptturms. 
 
Zieht man das steinerne Original, das sich heute im Bauhüttenmuseum befindet, und die vor Ort eingesetzte Kopie für einen Vergleich heran, offenbart sich ein eklatanter Unterschied und macht zudem deutlich, wofür der hier gezeigte Abguss angefertigt wurde.
 
Steinernes Original mit ergänztem Gesicht
Die heutige Kopie am Münsterturm
Am steinernen Original aus der Zeit um 1300 ist am Halsansatz sowie im Bereich der Ohren erkennbar, dass das Gesicht eine spätere Ergänzung ist (Abb. 2). Zudem finden sich nur an dieser Münsterfigur die spiralförmigen Pupillen. Wahrscheinlich war Ende des 19. Jahrhunderts dieser Bereich so zerstört, dass man sich in der Münsterbauhütte für eine Ergänzung, das heißt eine Vierung entschied; nahm sich allerdings künstlerische Freiheiten heraus. Als Modell diente der eigens angefertigte Gipsabguss. Für eine völlig andere Lösung entschied man sich in den 1970er-Jahren (Abb. 3): Für die neue Kopie schuf die Bauhütte einen Kopf, der sich an einer benachbarten Konsole orientierte – das alte Modell verschwand diesmal ungenutzt in der Abguss-Sammlung.