Juni 2022

 

Objekt des Monats Juni 2022

 „Feierabendziegel“ vom Freiburger Münster
19. Jahrhundert
Gebrannter Ton
 
Der Begriff „Feierabendziegel“ ist eine Sammelbezeichnung für Dachziegel, die mit Symbolen, Mustern oder Inschriften versehen sind und die vermutlich nach Feierabend von den Zieglern angefertigt wurden. Der hier ausgestellte Münsterziegel, wegen seiner Form als sogenannter Biberschwanzziegel bezeichnet, ist wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert und trägt die in Sütterlin verfasste Inschrift „Gott sei Dank“. Wo er sich genau befand, lässt sich leider nicht mehr nachvollziehen. Er gehört zu den circa 15.000 historischen Ziegeln, die im Zweiten Weltkrieg unzerstört blieben. Bei dem schweren Luftangriff auf Freiburg am 27. November 1944 waren große Teile der Ziegeleindeckung von den Münsterdächern heruntergeschleudert worden. Die noch erhaltenen Ziegel hatte man zunächst für die Wiedereindeckung der Dächer genutzt, wurden später aber bei Reparaturen durch neue ausgetauscht und in der Münsterbauhütte gelagert. Aus der Bauzeit des Münsters (1200-1536) blieben nur wenige Dachziegel erhalten. Kriege und Unwetter machten immer wieder Reparaturen an den Dächern nötig, sodass sich der ursprüngliche Ziegelbestand des Freiburger Münsters allmählich veränderte.
 
Die Dach
ziegel wurden aus gebranntem Ton in Ziegeleien der Stadt und Umgebung hergestellt. Hierzu benutzte man Module, in die mit der Hand der Ton hineingepresst wurde. Längsrillen auf den Ziegeloberflächen dienen dazu, das Regenwasser kontrollierter ablaufen zu lassen. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts werden Dachziegel maschinell angefertigt.