Mai 2022

 

Objekt des Monats Mai 2022

Pflanzenkapitell vom Figurentabernakel des hl. Georgs am Hauptturm
Um 1280
Roter Sandstein
Inv.-Nr.: St-00078
 
 
Das 34 cm hohe Kapitell (Säulenendstück) schmücken Eichenblätter, die sich an ihren charakteristischen länglichen Formen, dem gelappten Umriss und den beigefügten Eicheln identifizieren lassen. Die plastisch gearbeiteten Blätter und Früchte sitzen auf Stielen und umgeben, zu Zweierbüscheln zusammengefasst, in zwei Zonen den Kapitellkörper. Die obere Reihe ist versetzt, das heißt ihre Blattgruppen befinden sich über den Lücken der unteren Reihe. Das Kapitell wurde um 1886-1893 durch eine Kopie am Münster ersetzt.  
 
In der gotischen Baukunst sind solche Pflanzenabbildungen aus Stein verbreitet: Blätter von Eiche, Efeu, Ahorn, Wein, Hopfen und vielen anderen Pflanzen schmücken Säulenkapitelle, Giebel, Konsolen und Wandfriese. Die schönsten Beispiele
am Freiburger Münster befinden sich an den Figurentabernakeln des Hauptturms, in der Turmvorhalle und an den Säulen der Blendarkaden im Langhaus. Mit großer Kunstfertigkeit gestalteten die mittelalterlichen Steinmetzen diese Meisterwerke aus heimischen Buntsandstein zwischen 1260/70 und 1290. Während in dieser Zeit die Naturvorbilder zumeist realistisch und präzise wiedergegeben wurden, wandelte man sie in den späteren Bauphasen des Münsters zu künstlerisch stilisierten Formen ab. So am spätgotischen Chor und an den neugotischen Bauteilen des 18. und 19. Jahrhunderts.
 
Über die Bedeutung dieser Pflanzenbilder ist wegen der wenigen schriftlichen Quellen nichts bekannt. Da es sich bei ihnen hauptsächlich um Bibel- und Heilpflanzen handelt, nimmt man an, dass sie vielleicht eine apotropäische Funktion, d.h. eine unheilabwehrende Funktion hatten.
 
Literatur:
Arno Bogenrieder/Heike Mittmann: Freiburger Münster. Pflanzenschmuck aus Stein, Freiburg 2018 (Schriftenreihe Münsterbauverein, Bd. 8)