Mai / Juni 2023

 

Objekt des Monats Mai / Juni 2023

Blattmaske von der Innenfassade des Heiligen Grabes
Vor 1912
Gipsabguss, geschlämmt
Inv.-Nr.: Gi4-00382
 
Abb. 1 Blattmaske vom Heiligen Grab 
Der etwa 33 cm x 23 cm große Gipsabguss zeigt eine Blattmaske, ein männliches Gesicht aus dem an Stirn, Kinn und den Wangen üppige Blätter herauswachsen (Abb. 1). Die steinerne Vorlage befindet sich an der Innenfassade des Heiligen Grabes, welche in der Zeit um 1330 mit zwölf dieser Masken geschmückt wurde (Abb. 2).
Ab 1910 sind zur Rekonstruktion des Heiligen Grabes sowohl die Freiplastiken – die Marien und zwei Engel – wie die Reliefplatten abgegossen worden. Für die Rekonstruktion nicht eigentlich notwendig, aber zur Vervollständigung des Ensembles sinnvoll formte man dann auch die Blattmasken ab (Abb. 3). Bis heute haben sich elf der Masken in der Sammlung des Münsterbauvereins erhalten. 
Blattmasken, im Englischen als „Green Man“ bezeichnet, waren in der Gotik überaus beliebt und sind an vielen Stellen des Münsters zu finden. Die Betrachter regen sie zu Spekulationen an: Symbolisieren diese Kreaturen die Naturkräfte, soll ihr teils gequält und leidender Ausdruck eine Überwältigung des Menschen durch bedrohliche Mächte anzeigen? Fragen, auf die wir heute leider keine zweifelsfreien Antworten haben.
 
Zwei weitere Blattmasken von der Innenfassade des Heiligen Grabes sind Teil der neuen Ausstellung „Münstergesichter – Von Menschen und Masken“ im Museum der Münsterbauhütte.
 
Abb. 3 Abguss des Heiligen Grabes in der Sammlung des Münsterbauvereins, Fotografie vor 1912
Abb. 2 Das Heilige Grab im südlichen Seitenschiff des Freiburger Münsters, Fotografie von Carl Günther (1892)