Objekt des Monats April 2025
„Leichnam Christi“ in Büstenform
1912
Gipsabguss, geschlämmt
Inv.Nr. Gi4-00915
Die Büste (Abb. 1) ist ein Teil-Abguss des Leichnams Christi aus dem Heiligen Grab des Münsters (Abb. 2). Ab 1910 haben der Freiburger Bildhauer Ludwig Kubanek und Münsterbaumeister Friedrich Kempf Rekonstruktionsversuche zum Heiligen Grab unternommen (Abb. 3). Für diesen Zweck goss man Teile des Komplexes ab: vor allem die Platte mit der liegenden Christusfigur (Abb. 4) und diejenige mit den Wächtern, die umstehenden drei Frauen und die beiden Engel sowie die Blattmasken der inneren Fassade. All diese Abgüsse erfuhren im Vergleich zum Original (um 1330) keinerlei Veränderungen.
Anders verhält es sich mit der 92 cm hohen Büste. Neben der neuen Ausrichtung – vom liegenden Körper zur stehenden Halbfigur –, die für die Büste eine unten angesetzte Platte notwendig machte, gibt es einen weiteren einschneidenden Unterschied: Im Gipsabguss fehlt die Klappe zum Verschließen der Hostienkammer.
Werden im Tagebuch von Friedrich Kempf das Gießen der Büste und der zusätzlichen Platte für die Monate Juli und August 1912 genannt, bleibt die Überarbeitung der Brustpartie unerwähnt. Das Fehlen der Hostienkammer liegt in der unterschiedlichen Aufstellung bzw. Nutzung begründet: Der „Leichnam Christi“ ist aus dem eigentlichen Kontext herausgelöst und die Büste als zusätzlicher Abguss diente nicht zur Rekonstruktion des Grabes, sondern wohl zu Verkaufs- bzw. Ausstellungszwecken. Dafür spricht, dass laut Tagebuch mehrere Abgüsse gemacht wurden.
Die Starre des nach den Qualen der Kreuzigung Verstorbenen trifft die Betrachtenden dennoch.






