Objekt des Monats April 2026

 

Wasserspeierkonsole

Frühes 20. Jahrhundert
Gips, geschlämmt
Inv.-Nr.: Gi2-00175
 
Ein auf seinen Hinterbeinen stehender Ziegenbock macht sich scheinbar genüsslich über einen Efeustrauch her, der aus einer Wurzel unten rechts emporwächst und mit seinen übertrieben großen Blättern fast das fressende Tier umfängt (Abb. 1).
Die 50 mal 34 Zentimeter messende Konsole befindet sich am Freiburger Münster an der Nordwestseite des Langhauses unter einem Wasserspeier, welcher einen auf dem Rücken eines Mannes aufhockenden Ziegenbock zum Thema hat (Abb. 2). Die negative Szene kann sowohl als „Aufhocker“ wie als „Bartweiser“ gedeutet werden.
 
Wasserspeier und die Konsole stammen aus der Zeit um 1270. Der Wasserspeier wurde 2003 durch eine Kopie am Münster ersetzt, der hier gezeigte Abguss der Konsole kann auf das frühe 20. Jahrhundert datiert werden.  
 
Der Efeu (Hedera helix), eine immergrüne Kletterpflanze, die bei niedriger Dosierung eine gefäßerweiternde Wirkung erzielt, galt schon in der Antike als ein Zeichen von Unsterblichkeit und Ewigkeit. Ein Symbol des ewigen Lebens wurde die Pflanze dann im Christentum, konnte aber auch zur Abwehr von Dämonen nützlich sein. Vielleicht, die Interpretation sei als Idee gestattet, wird dem negativ besetzten Ziegenbock das Mahl daher nicht bekommen. Ob es einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen der Konsole und dem Wasserspeier darüber gibt, erschiene in diesem Kontext möglich.
 
Auch wenn der Efeu immergrün ist und der Ziegenbock nicht für das Erwachen des Lebens steht, so lässt die auch als bukolisches Bild lesbare Darstellung uns doch den Frühling herbeisehnen.
 
Die Wasserspeierkonsole ist noch bis Ende Mai 2026 in der Ausstellung des Bauhüttenmuseums „Natur in Stein – Pflanzen in der gotischen Architektur“ zu sehen.