Objekt des Monats Juni 2024

 
Modell und Schablonen für das Blattwerk einer Kreuzblume
Karin Walther, 2021/2022
Gips und Schablonenmaterial
Ohne Inv.Nr.

Die gezeigten Schablonen (11,1 cm H. x 33 cm B. und 9,8 cm H. x 32,8 cm B., Abb. 1) und das Gipsmodell (37,4 cm H. x 44,5 cm B. x 22,0 cm T., Abb. 2 und 3) entstanden als Vorlage für eine Kreuzblume am Chorstrebepfeileraufsatzes 13/14 Süd des Freiburger Münsters.
Der sehr stark geschädigte Strebepfeileraufsatz, 1851 aus Fischbacher Plattensandstein gehauen, wurde 2012 rückgebaut; seine Reste in die Münsterbauhütte verbracht. Seit 2018 entstehen in der Werkstatt Kopien für den neuen Strebepfeileraufsatz. Der Versatz der 92 Steine steht aktuell kurz bevor.
 
Bei einer ganzen Reihe der originalen Stücke war der Zustand jedoch derart schlecht, dass sie nicht mehr als Kopiervorlage dienen konnten, etliche sind gar nicht mehr vorhanden. Zwar verfügt der Münsterbauverein über ein reiches Archiv mit Fotografien, Plänen und Gipsabgüssen, zu manch einem der Details fand sich allerdings nichts –, so auch für das Blattwerk zweier deckungsgleicher Kreuzblumen. In Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege sollten für diese Fälle nachbildende Neuschöpfungen entstehen. Die Entwürfe dafür schufen einige der Steinmetzinnen und Steinmetzen der Münsterbauhütte. Das Blattwerk der Kreuzblumen lag in den Händen von Karin Walther: Da von diesen Stücken außer einem alten, unscharfen, da stark vergrößertem Foto (Abb. 4) nichts mehr vorhanden war, konnte die Steinbildhauerin zumindest die Standflächen am alten Stein darunter ermitteln und das ungefähre Höhen- und Breitenmaß aus dem Foto abnehmen. Das Blattmotiv leitete Karin Walther aus den Krabben des Strebepfeileraufsatzes ab, die sich direkt unter der Kreuzblume befinden und noch erhalten sind. All diese Komponenten flossen in das Gipsmodell des halbierten Blattwerks ein, dem eines aus Modelliermasse vorausging. Weil die Umsetzung in Stein nicht über ein Punktiergerät erfolgen sollte, entwickelte Karin Walther aus dem Modell zwei Schablonen – eine Vorderansicht und eine Unteransicht; die Blattwerke wurden frei übertragen. Eine der steinernen Kreuzblumen haute dann der Steinmetz Johannes Walz, die andere Karin Walther (Abb. 5) selbst.
 
Abb. 1 Die Schablonen, Unterseite (oben) und Vorderansicht des Blattwerks (unten)
 
Abb. 2 Das Gipsmodell
 
Abb. 3 Das Gipsmodell
 
Abb. 4 Blick auf die Südseite des Münsterchors – Ausschnitt mit der markierten Kreuzblume (Foto Carl Günther, ca. 1892)
 
Abb. 5 Die fertig gehauene Kreuzblume