Objekt des Monats März 2024
Salbgefäß der Maria Magdalena
1912–14
Sandstein
St-00865
Auf den ersten Blick unscheinbar ist dieses Objekt doch ein wichtiger Teil der Skulptur Maria Magdalena am südlichen Seitenschiff: Das Salbgefäß – es ist ihr Attribut. Attribute dienen in der Kunst neben Geschlecht, Alter und Kleidung als Erkennungsmerkmale, die sich entweder aus der Geschichte oder der Funktion einer Figur ergeben. Das Salbgefäß ist ein Hinweis auf eine Szene im Johannesevangelium (Joh 12,1–8): Maria salbt Christus die Füße und trocknet sie mit ihren Haaren.
Bei diesem Stein handelt es sich um eine Kopie. Das nicht erhaltene Original wurde bei Restaurierungsarbeiten zwischen 1912–1914 ersetzt. Obwohl die Form gleichgeblieben ist, erkennt man eine Veränderung der Anbringung. Auf einem alten Foto stand das Gefäß auf der Hand der Skulptur und wurde mit Eisenstangen sowohl an einer Säule und der Rückwand des Gehäuses befestigt. Die Kopie hingegen war nur mit der Säule verbunden. Die Finger, die das Gefäß stützen, sind verloren. Bei einer erneuten Restaurierung 2000–2005 wurden Finger und Gefäß aus einem neu Stein geschaffen und an der Skulptur angebracht.
Der Grund für diese Veränderung ist einfach: Die Hand als einzige Verbindung zur Skulptur ist filigran. Wird sie von Verwitterung angegriffen, läuft das Salbgefäß Gefahr herunterzufallen und muss zusätzlich gesichert werden.
Ist ein Attribut verloren und sind auch andere Merkmale nicht eindeutig, wird es schwierig eine Figur zu identifizieren. Möchte man dennoch wissen, um wen es sich handelt, muss mit dem Kontext der Figur gearbeitet werden. Gerade bei allein stehenden Skulpturen oder Skulpturen, die aus ihrem Kontext herausgenommen wurden, ist das nicht immer möglich.






