Oktober 2022

 

Objekt des Monats Oktober 2022

Spolie 
Vmtl. zweite Hälfte 13. Jh.          
Sandstein                                                                    
St-00712
 
 
Spolien sind Bauteile oder Fragmente davon, die außerhalb ihres ursprünglichen Kontextes eingesetzt werden. Da Baumaterial teuer war – und ist –, war es lange gängige Praxis Steine wiederzuverwenden.
 
Abb. 2 Beispiel für einen Bündelpfeiler im südlichen Seitenschiff. Die einzelnen Säulen werden über die Wandflächen nach oben geführt und gehen z. B. in die Rippen der Gewölbe über.
Eine solche Spolie ist das Objekt dieses Monats (Abb. 1). Zusammen mit anderen Fragmenten wurde sie im September 2006 beim Austauschen eines Mauerquaders in der dahinterliegenden Füllmasse gefunden und geborgen. Auffallend sind an diesen Teilen die großen Löcher, die durch das Auswaschen von Mangan-Einschlüssen entstanden sind. Auch an der Farbigkeit lässt sich erkennen, wie inhomogen das Material ist.

Abb. 3 Spuren der Schläge, mit denen das ursprüngliche Werkstück in kleinere Teile gehauen wurde.
Über die Größe der Spolie und die Form der Rundung ist der Rückschluss möglich, dass dieses Stück ursprünglich Teil eines Steins für die Bündelpfeiler (Abb. 2) im Inneren des Münsters war und somit vermutlich aus der zweiten Hälfte des 13. Jh. stammt. Warum es nicht wie geplant verbaut wurde, lässt sich nur vermuten. Sehr wahrscheinlich liegt es an der schlechten Materialqualität. Um den Stein nicht zu verschwenden, wurde er in kleine Teile zerschlagen und als Füllmaterial verwendet. An der Rückseite unseres Objekts sind die Schlagspuren dieses Vorgangs noch erkennbar (Abb. 3).